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22.5.2012 : 6:32 : +0200

Gemeindebrief

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Angedacht - Gräberfeld ist eingeweiht

Die Stele
Frühmorgens-Blick auf das Gräberfeld
Die Inschrift

Gott heilt, die zerbrochenen Herzens sind

Am letzten Sonntag des Monats Juni konnten wir unser neues Gräberfeld seiner Bestimmung übergeben. Ich bin dankbar für diesen Tag, war er doch in gewisser Weise der Abschluss eines langen Weges. Schon bevor der Bau unseres Gemeindehauses begann, hatten wir in Sachen Gemeinschaftsgräberfeld im Kirchenvorstand erste Überlegungen angestellt. Dann jedoch bedurfte der Bau des Gemeindehauses all unserer Aufmerksamkeit, und das Projekt Gräberfeld wurde zunächst einmal zurückgestellt.

Und doch hat es uns immer wieder bewegt und beschäftigt, denn es erreichten uns des öfteren Nachfragen zum Stand der Dinge. Wir besichtigten verschiedene Friedhöfe, holten Informationen ein und ließen uns von Fachleuten beraten.

Am Ende haben wir uns für eine in der Linienführung klare Lösung entschieden, die sich gut in unseren Friedhof einpasst. Die Wege bilden ein Kreuz und gliedern diesen Teil des Friedhofs in vier Felder: Jeweils zwei kleinere für Urnenbestattungen und zwei größere für Erdbestattungen. Die Namen der Verstorbenen stehen dabei entweder auf einer an einem Granit angebrachten kleinen Bronzeplatte oder sind in eine in den Rasen eingelassene Granitplatte eingemeißelt.

In der Mitte steht die große, aus dem schwedischen Granit Halmstad gebrochene Stele. Diese Granitsorte wird in Südschweden abgebaut und weltweit verkauft, ihre Entstehung wird zeitlich dem Präkambrium zugeordnet, also vor über 540 Millionen Jahren.

Es ist interessant, sich ein wenig mit der Geschichte dieser Stele zu befassen. Beim Abbau des Granits werden Löcher in den Felsen gebohrt und mit Sprengstoff gefüllt. Auf diese Weise werden große Blöcke abgesprengt. Bei diesen Arbeiten entstehen natürlich Abfälle und Bruchstücke. Sie werden zu Schotter weiterverarbeitet. Manchmal entstehen jedoch auch schöne Stücke, die direkt in den Verkauf gelangen.

So war es auch mit dem Stein, der nun auf unserem Gräberfeld steht. Ein Mitarbeiter der Firma Bernhard entdeckte ihn für uns in Uelzen. Dieser Stein ist, so wie er dort steht, aus dem Felsen gebrochen. Lediglich der Sockel wurde für einen sicheren Stand gerade abgeschnitten.

Steine wurden schon immer als Denkmäler aufgestellt. Mit ihrem Alter und ihrem Gewicht sollen sie etwas symbolisieren. Sie verkörpern allein durch ihr Gewicht eine Botschaft. In einer Zeit des Umbruchs, so lautet ihre Botschaft, weisen sie auf Beständigkeit hin.

Auf dem Friedhof, wo die Unbeständigkeit des Lebens besonders deutlich vor Augen tritt, erinnern sie mit ihrer Festigkeit und Unbeweglichkeit daran, dass es etwas gibt, das bleibt. Darin liegt der tiefere Sinn jeden Grabmals.

So hat auch unser Stein seine Botschaft: Gott heilt, die zerbrochenen Herzens sind. Gottes Liebe wird hier an diesem Ort nicht aufhören. Das gilt, auch und gerade in aller Unbeständigkeit der Welt. Deshalb ist auch ein Kreuz in den Stein eingemeißelt. Es drückt auf seine Weise das Gleiche aus, indem es an die Geschichte Jesu erinnert: Da, wo alle Welt dachte, Gott hätte ihn verlassen, wo Jesus es selbst dachte, da war Gott ihm ganz nah. Er ist nicht im Tod geblieben; die Kraft seiner Auferstehung gilt. Das zu glauben, dazu ruft dieser Stein auf, und dazu lädt er ein.

Aber dies ist nicht der einzige Stein auf unserer Anlage: Zwei kleinere aufgerichtete Steine für Namensplaketten (je einer für ein Urnenfeld und einer für ein Gräberfeld) und Rasenplatten aus Granit, die jeweils auf Urnen oder Rasengräbern liegen. Sie tragen die Namen unserer Verstorbenen. Sie sind aus dem gleichen Granit; das soll auf ihre Zugehörigkeit zur Stele in der Mitte hinweisen.

Solche Namenssteine und -plaketten sind uns wichtig. Weil der Name eines Menschen wichtig ist. Das wird in der Bibel deutlich, unter anderem in dem Jesaja-Vers „Gott spricht: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“ Dieser Vers ist der Spruch für den 6. Sonntag nach Trinitatis, den Sonntag, an dem wir unser Gräberfeld einweihten.

Unsere Stele ist ein großer gebrochener Stein. Unbearbeitet. Und so erinnert er noch einmal an die "Gebrochenheit" des Lebens. Denn so wie dieser Stein weist auch unser Leben immer Bruchstellen auf. Es wird nie alles so sein, wie wir es wünschen. Wir sind gezeichnet von Fehlern und vom Scheitern, von Umbrüchen und Abschieden.

Wenn man aber genau hinschaut, kann man in dem Stein etwas entdecken. Man muss sich Schrift und Kreuz ein wenig wegdenken. Mit etwas Fantasie kann man zwei Menschen darin erkennen, die, leicht nach vorne gebeugt, einander in den Armen halten. Vielleicht ein Mann und eine Frau, vielleicht Mutter und Sohn.

Es ist für mich ein gutes Bild. In der "Gebrochenheit" des Lebens nehmen sich Menschen in den Arm und sind füreinander da. Und sie sind nicht allein. Denn die Liebe Gottes hat Beständigkeit, darauf weisen Kreuz und Stein hin. Dies gilt - in Zeit und Ewigkeit: Gott heilt, die zerbrochenen Herzens sind.

Andreas Hannemann