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22.5.2012 : 7:08 : +0200

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Christus in die Slums folgen

Mutter Teresa

Vor hundert Jahren wurde Mutter Teresa von Kalkutta geboren

Nicht Lady Gaga oder Robbie Williams, sondern US-Präsident Barack Obama, der amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King oder der indische Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi sind laut Umfrage der BAT Stiftung für Zukunftsfragen die größten Vorbilder der jungen Generation. Jeder Vierte der befragten 14- bis 29-Jährigen nannte die Ordensfrau Mutter Teresa von Kalkutta als Leitbild.

Als sie 1979 den Friedensnobelpreis bekam, nannte die „Washington Post“ den Vorgang in einem nachdenklichen Leitartikel „geeignet, uns an eine Form des Elends zu erinnern, von dem die meisten Europäer und Amerikaner vielleicht nie etwas erfahren.“

In einem gutbürgerlichen Elternhaus kam Agnes Gonxha Bojaxhiu am 26. August 1910 im damals türkischen, später jugoslawischen Skopje zur Welt —ein hübsches, musikbegabtes Mädchen mit träumerischen Augen. Sie trat bei den „Englischen Fräulein“ ein, unterrichtete an der St. Mary´s High School in Kalkutta als Schwester Teresa Erdkunde —und entdeckte die Slums hinter den Mauern des Collegebezirks.

Mit 36 Jahren fasste sie den Entschluss auszusteigen: „Ich hörte den Ruf, alles aufzugeben und Christus in die Slums zu folgen, um ihm unter den Ärmsten der Armen zu dienen.“ Sie ließ sich in Hygiene und Krankenpflege ausbilden, ging nach Kalkutta, gründete Spitäler, Heime für Sterbende, Reha-Zentren für Leprakranke. Ehemalige Schülerinnen schlossen sich ihr an, die „Missionarinnen der Liebe“ wurden gegründet.

Ein amerikanischer Journalist beobachtete sie entgeistert beim Versorgen einer stinkenden, von Würmern zerfressenen Wunde: „Nicht für eine Million Dollar würde ich das tun!“ Lachend erwiderte sie: „Ich auch nicht!“ —Sie tat es für Gott. Todgeweihten Menschen nach einem freud- und trostlosen Leben für ein paar Stunden oder Tage Zuwendung und Wärme zu geben und ihnen die Würde zu retten, schien ihr keineswegs sinnlos: „Sie haben wie die Tiere gelebt. Da sollen sie wenigstens wie Menschen sterben!“

Kritikern ihrer Beschränkung auf spontane Soforthilfe entgegnete sie, nur wer das Elend teile, könne die Elenden befreien und das gestörte Verhältnis zwischen Menschen verändern. Mutter Teresa starb am 5. September 1997 in Kalkutta.

Christian Feldmann