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22.5.2012 : 7:16 : +0200

Gemeindebrief

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Reiche Tierwelt und bittere Armut

Mit Freude bei der Sache - Kind auf Fahrrad
Freuen sich über Geschenke - Kenosis-Kinder
Im Vergleich - Menschen-und Elefantenohr
Doch irgendwie unheimlich - ein Löwe

Karl-Heinz und Anne Potthast berichten aus Afrika

Ja, jetzt sind auch wir an der Reihe, etwas über unseren Besuch bei Maike in Südafrika zu berichten. Also, am 16.04.08 brachen wir mit Sack und Pack, wie man so schön sagt, zu unserer 17tägigen Reise nach Südafrika auf, um endlich, nach fast 9 Monaten, Maike wieder zu sehen.

Nach 24 Stunden kamen wir etwas geschlaucht in Durban an. Dort hatten wir uns von Deutschland aus ein Auto gemietet, um Südafrika zu erkunden. Wir, das heißt: Maikes Eltern und Maikes Patentante Hannelore Maas und deren Mann Gerold.

Mit Maike hatten wir als Treffpunkt eine Tankstelle in Pietermaritzburg, das liegt ungefähr 80 km von Durban entfernt, vereinbart. Oh man, haben wir uns gefreut, sie endlich wieder zu sehen.

Dann fuhren wir nach Kenosis, wo sie wohnt und arbeitet. Wir waren er-staunt, wie grün und hügelig die Landschaft da war. Man könnte es von der Gegend her mit Hessen vergleichen. Wunderschön. In Kenosis wurden wir auch gleich von den Kindern begrüßt. Zwei Tage zuvor hatten die  neue Kleidung aus einer Spendenaktion bekommen und waren jetzt  mächtig stolz, uns ihr neues ‚Outfit’  zu präsentieren. Da spielte auch die Hitze (ungefähr 30 Grad) keine große Rolle. Wenn man nun mal neue Gummistiefel und eine neue Pudelmütze bekommen hat, dann muss das auch gezeigt werden.

An einem Tag waren wir mit Maike im Kindergarten und haben ihr bei der Arbeit zugeschaut. Sie musste das Frühstück für die Kinder kochen, und zwar Porridge. Das ist so etwas Ähnliches wie Grießbrei, nur mit Maismehl und Wasser gekocht.

Mittags wurden die Kinder, die nicht in Kenosis wohnen, von Maike mit dem Bulli nach Hause, also in die umliegenden Dörfer bzw. in deren Randgebiete, gefahren. Wir durften auch mit. Da haben wir erstmals gesehen, wie ärmlich und in welch einfachen Verhältnissen viele Menschen dort noch leben. Die Häuser (Hütten) waren überwiegend aus allen möglichen und unmöglichen Baumaterialien zusammengebastelt. Viele Bewohner waschen ihre Wäsche noch am Fluss und müssen ihr Wasser für den Tagesgebrauch in einem Kübel auf dem Kopf nach Hause tragen. Das alles machen die Frauen. Was die alles auf dem Kopf transportieren, dafür brauchen wir zumindest eine kleine Schubkarre. Bewundernswert.

Die ursprüngliche Aufgabe der Männer, das Vieh zu hüten, gibt es  vielfach nicht mehr,  zumindest nicht in den Ballungsgebieten. Wer keine Arbeitsstelle gefunden hat, der gerät in das Unheil der bitteren Armut. Viele Männer trinken dann mehr, als gut tut und verschlimmern noch alles. Staatliche Hilfen fehlen. Das soziale Gefälle ist, wie in den meisten Ländern Afrikas, extrem, die Mittelschicht fehlt fast komplett.

Die Kinder, die in Kenosis leben und vorher zum Teil schlimme Schicksale erlitten hatten, haben es dagegen wirklich gut. Dort ist eine richtige kleine Oase. Es gibt da schon fließendes Wasser, Strom und sogar eine Waschmaschine. Bis zu ihrem 18. Lebensjahr können die Kinder dort bleiben. Man kann nur hoffen, dass sie bis dahin ein wenig Bildung und im Idealfall eine Ausbildung bekommen haben, um halbwegs eine Chance  auf eine Arbeitsstelle zu haben. Wie wir in Gesprächen mit Farmern erfuhren, ist Bildung bzw. das fehlende Verständnis für die Marktwirtschaft ein großes Problem. Wenn in der Familie oder im Dorf ein Fest zu feiern ist, muss die Arbeit eben ein paar Tage warten.

Wir waren aber nicht nur in Kenosis. Mit Maike zusammen wollten wir ja auch noch gern das andere Südafrika mit den wild lebenden Tieren und der schönen Landschaft kennen lernen.

Um diese Tiere wirklich einmal hautnah zu erleben, besuchten wir verschiedene Nationalparks  und konnten z.B. den Hluhlwe Park, der etwa 1000 km2 groß ist (entspricht etwa der Größe des Landkreises Leer) selber mit dem Auto durchfahren, um die Tierwelt zu erkunden. Andere, teilweise private Parks durfte man nur mit einem Ranger (Wildhüter) und dessen Auto befahren. Uns wurde manchmal richtig mulmig, zumal wir noch vor der Safari hatten unterschreiben müssen, dass wir alles auf eigene Gefahr machen.

Der Ranger fuhr mit uns zum Beispiel in eine ca. 30-köpfige Elefantenherde, die gerade im "Mkuze River" badete. Die Elefanten kamen unserem Auto bedrohlich nahe. Wir hofften inständig, dass der Ranger wusste, was er tat. Jetzt sah man erst richtig, wie mächtig die Tiere waren. Eine hautnahe Begehung mit einem mächtigen Löwen mit noch mächtigeren Zähnen war auch drin. Der Bursche schnüffelte sogar an dem offenen Geländewagen herum. Wir waren derweil in eine extreme Starre verfallen. Es ging Gott sei dank alles gut, aber es war schon ganz schön aufregend. Wir haben auf unserer Reise wirklich alle Tiere, wie z. B. Löwen, Geparden, Nashorn, Büffel, Elefanten, Giraffen usw. gesehen.

Weil wir schon viel vom „Indischen Ozean“ gehört hatten, fuhren wir zum Schluss noch nach St. Lucia. Dort kann man kilometerweit am weißen Sandstrand spazieren gehen, ohne einer Menschenseele zu begegnen. Gebadet haben wir dort nicht, denn es waren keine Hainetze da, und uns spukte der weiße Hai immer im Kopf herum. Im übrigen ist das Gebiet um St. Lucia von der UNESCO wegen seines Artenreichtums ((fünf Ökosysteme) zum Weltnaturerbe ernannt worden, einfach wunderbar.

Leider verging die schöne Zeit viel zu schnell, und so mussten wir  uns am 02.05.08 schweren Herzens wieder von Maike und dem wunderbaren Land mit vielen netten Menschen und der wunderschönen Tierwelt und der leider bitteren Armut verabschieden.

Anne und Karl-Heinz Potthast