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22.5.2012 : 7:25 : +0200

Gemeindebrief

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Hier bin ich ! Was kann ich tun ?

Als Christen haben wir ... Pflichten. Wir dürfen uns gerade jetzt nicht in die eigene Gruppe der Gleichgesinnten zurückziehen, sondern müssen auch auf die Menschen anderer Gesinnung zugehen und das Gespräch suchen, damit wir miteinander leben und nicht nebeneinander. Hier in Bremen ist dieses Gespräch zum Beispiel mit Menschen anderer Glaubensgemeinschaften schon gut gelungen, und wir müssen weiter daran arbeiten.

Aus der Perspektive unseres Glaubens haben wir die Normen, die unserem Denken und Handeln zugrunde liegen, überprüft. Wir haben dabei gelernt, dass die Grenzen unserer Freiheit durch die Verantwortung für die Zukunft gesetzt werden. Für uns Christen ist eine entgrenzte, eine globale Solidarität oberstes Gebot.

Hier bin ich, sende mich!                                   
                               Jesaja 6,8

Globales Denken erfordert zugleich lokales Handeln. So müssen wir uns zum Beispiel auch hier vor Ort um Kinder und Jugendliche kümmern. Wir können nicht von der Bildungsgerechtigkeit sprechen, so lange noch jedes Jahr 80.000 junge Menschen die Schule ohne Abschluss verlassen und Bildungs- und somit Aufstiegs- und Lebenschancen noch immer sozial vererbt werden. Lasst uns die Spaltung unserer Gesellschaft in jene, die Perspektiven haben und andere, denen diese Perspektiven qua Geburt verwehrt oder zumindest enorm erschwert sind, nicht hinnehmen.

Der Kirchentag hier in Bremen war für uns alle nicht nur ein Ort, an dem diese brennenden Fragen der Gesellschaft – auch mit vielen internationalen Gästen – diskutiert werden konnten, er war ebenso ein Ort der Ermutigung, auch angesichts von Krise, Bedrohung oder Schwierigkeiten nicht den Weg des geringsten Widerstands zu gehen, sondern gemeinsam als Christen Verantwortung für unsere Zukunft zu übernehmen und den scheinbar unabwendbaren Lauf der Dinge zu ‘stören’.

Wo habe ich Einfluss, um Chancengleichheit und individuelle Freiheit durchzusetzen? Wo kann ich mich politisch einbringen, wo kann ich ein Ehrenamt übernehmen? Wo kann ich mich mit anderen Mitstreitern vernetzen? Wie kann ich mich ökologisch und ökonomisch verantwortungsvoller verhalten? Die Liste der Möglichkeiten ist lang und bei weitem nicht vollständig.

Lasst uns die Probleme anpacken, lasst uns Verantwortung für die Zukunft unserer Welt übernehmen. Lasst uns Gottes Frage „ Wo bist Du?“ in unseren Alltag übersetzen, indem wir tagtäglich die Antwort geben: „Hier bin ich! Was kann ich tun?“.

Prof. Dr. Karin von Welck, Kirchentagspräsidentin,
Redebeitrag (in Auszügen) zum Abschlussgottesdienst des Kirchentages ‘09