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22.5.2012 : 7:33 : +0200

Gemeindebrief

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Aussuchen ist schwer - Kinderkleiderbörse in Flachsmeer

Gott spricht: Suchet mich, so werdet ihr leben. 
                                                            Apostelgeschichte 5,4

Etwas zu suchen kann schrecklich sein. Vor allem, wenn es Dinge sind, die man dringend braucht. Die gehetzte Suche nach Autoschlüssel oder Brille, wer kennt das nicht! Eine solche Suche ist nie schön. Sie ist in der Regel von Zeitdruck, nicht selten von Verzweiflung geprägt.

Es gibt aber noch ein anderes Suchen. Das findet man eher beim Einkaufen. Da sucht eine junge Frau das passende Brautkleid, ein Kind darf sich ein Spielzeug kaufen und sucht nun nach dem schönsten, eine Familie sucht im Reisebüro nach dem passenden Ferienziel. Solches Suchen ist ein schönes Suchen. Man könnte es vielleicht besser ’Aussuchen’ nennen. Manchmal stehen 1000 Dinge zur Verfügung, jetzt gilt es, das Passende zu finden, das, was am besten zu mir passt. Manchen macht solches Suchen Spaß, für andere ist es eher eine Qual. Ob das Suchen Freude oder Qual ist, entscheidet sich daran, was ich suche und wie sehr ich mich darauf freue, das Gesuchte zu finden.

Der Mensch ist seinem Wesen nach ein Suchender, sagte schon Sokrates. Er meint es nicht nur auf die oben beschriebenen Entscheidungen des Lebens bezogen, sondern auf die entscheidenden Fragen nach dem Lebenssinn und dem Lebensglück. Dass diese Beschreibung des Sokrates noch heute gilt, wird deutlich, wenn man die entsprechenden Ecken der Buchhandlungen aufsucht oder durch die einschlägigen Foren im Internet surft. Diese Suche wird es geben, solange es Menschen gibt. Aber wo soll man suchen?

Gott spricht: „Suchet mich, so werdet ihr leben.“ Mit diesem Satz gibt Amos seine Antwort. Er kam damals in das große Jerusalem. Da waren die Priester, Politiker und Propheten versammelt. Die Elite des Landes. Alle auf der Suche nach dem Lebenssinn und Lebensglück. Amos hatte eine einfache Antwort: Sucht Gott, dann werdet ihr leben.

Aus dieser Antwort höre ich ein Doppeltes: Das Suchen an sich ist nicht schlecht. Denn der Glaube ist keine Sache, die man in einen Kasten packen und mit nach Hause nehmen kann. Man kann nicht sagen: Nun habe ich es ein für alle mal. Glauben will jeden Tag neu entdeckt und gelebt werden. Der Mensch ist eben ein Suchender. Bedenkt aber: Euer Leben wird gelingen, wenn ihr in der richtigen Richtung sucht. Um bei den obigen Beispielen zu bleiben: Wer eine schöne Urlaubsreise buchen will, sucht ja auch nicht beim Fleischer.

Allerdings, auch das könnte ich mir vorstellen: Dass ich beim Schlachter einen Bekannten treffe, der mir von seinem letzten Urlaub erzählt, und weil er so begeistert ist, probiere ich das gleich aus und verbringe einen wunderbaren Urlaub. Will sagen: Manchmal entdeckst du Gott an Orten, an denen du ihn gar nicht vermutest. Das wiederum liegt in einer anderen Wahrheit begründet, die Jesus viel später in seinen Gleichnissen erzählte: Es ist nämlich nicht so, dass wir Gott finden müssten, sondern Gott findet uns.1) Wir müssen nur suchen. Nicht, damit wir ihn finden, sondern damit wir gut und glücklich leben können.

Ich wünsche Ihnen Gottes reichen Segen beim Suchen. Und - falls Sie sich bereits auf den Weg machen - einen guten Urlaub, in dem Sie weder Brille noch Autoschlüssel verlieren.

Andreas Hannemann