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22.5.2012 : 8:04 : +0200

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"Was würde Jesus dazu sagen?"

Martin Niemöller

Am 6. März vor 25 Jahren starb Martin Niemöller

Als Neunjähriger entdeckte er in einer Elberfelder Weberstube im westfälischen Industrierevier – sein Vater war dort Pastor – einen auf Samt gestickten Spruch: „Was würde Jesus dazu sagen?“ Den Wandspruch hat er nie vergessen. Im Ersten Weltkrieg war der Seeoffizier Martin Niemöller ein erfolgreicher U-Boot-Kommandant, und in der Weimarer Republik vertrat er stramme vaterländische Ideale. Doch dann entschloss er sich, Theologie zu studieren. Als Pfarrer im noblen Berlin-Dahlem entwickelte er soziales Bewusstsein.

1934 waren evangelische Kirchenführer zum Empfang beim Reichskanzler Hitler geladen. Der erklärte ihnen kategorisch: „Kümmern Sie sich um Ihre Kirche, aber die Sorge um das deutsche Volk überlassen Sie mir!“ Es war der kleine Pfarrer Niemöller, der ihm ganz ruhig antwortete: „Die Sorge um das deutsche Volk hat jemand anderer auf unser Gewissen gelegt, und die können Sie uns nicht abnehmen!“ Hitler soll sprachlos gewesen sein.

Niemöller gehörte zu den Gründern des regimekritischen „Pfarrernotbundes“ und zu den Wortführern der Bekennenden Kirche. Bald hagelte es Predigtverbote und Strafverfahren. Acht Jahre lang steckten die Nazis den aufmüpfigen Pfarrer in Gefängnisse und Konzentrationslager.

Nach dem Krieg, als Kirchenpräsident in Hessen und Nassau, blieb er unbequem und unberechenbar. Aussöhnung zwischen Kirche und Sozialdemokratie, Kampf gegen die deutsche Wiederbewaffnung, Protest gegen den Vietnamkrieg, er ließ keinen Fettnapf aus, in den er treten konnte.

Als er 1959 Mütter und Väter warnte, ihre Söhne zur Bundeswehr zu schicken und zu „Verbrechern“ ausbilden zu lassen, zeigten ihn der Verteidigungsminister Franz Josef Strauß und zahlreiche Wehrpflichtige wegen „Beleidigung der Bundeswehr“ an. Dabei war Niemöller, der alte Seeoffizier, nie ein kompletter Pazifist. Aber ein Krieg im Atomzeitalter, das sei nur noch „Massenmord und Massenselbstmord“. Darum ging er als alter Mann auf die Straße, um gegen den Wahnsinn der nuklearen Hochrüstung zu protestieren.       

Christian Feldmann