Gemeindebrief
- 1:
Angedacht. - 2:
InKontakt-Ecke. - 3:
Osterfrühgottesdienst. - 4:
Hand- und Fuß-Tag am 5.Mai. - 5:
Aus dem Kindergarten. - 6:
Brandkatastrophe in Indien. - 7:
Silberne Konfirmation. - 8:
Kinderbibelcamp. - 9:
Verabschiedung im Kirchenvorstand. - 10:
Kirche auf Rädern. - 11:
Ökumenischer Gottesdienst. - 12:
Aus der Landeskirche. - 13:
Dritter Männertag der Landeskirche. - 14:
Freud und Leid. - 15:
Termine. - 16:
Gottesdienste. - 17:
Unsere Werbepartner. - 18:
Archiv.- 18.1:
April 2012. - 18.2:
März 2012. - 18.3:
Februar 2012. - 18.4:
Januar 2012. - 18.5:
Dezember 2011. - 18.6:
November 2011. - 18.7:
Oktober 2011. - 18.8:
September 2011. - 18.9:
Juli/August 2011. - 18.10:
Juni 2011. - 18.11:
Mai 2011. - 18.12:
April 2011. - 18.13:
März 2011. - 18.14:
Februar 2011. - 18.15:
Januar 2011. - 18.16:
Dezember 2010. - 18.17:
November 2010. - 18.18:
Oktober 2010. - 18.19:
September 2010. - 18.20:
Juli/August 2010. - 18.21:
Juni 2010. - 18.22:
Mai 2010. - 18.23:
April 2010. - 18.24:
März 2010. - 18.25:
Februar 2010. - 18.26:
Januar 2010. - 18.27:
Dezember 2009. - 18.28:
November 2009. - 18.29:
Oktober 2009. - 18.30:
September 2009. - 18.31:
Juli/August 2009. - 18.32:
Juni 2009. - 18.33:
Mai 2009. - 18.34:
April 2009. - 18.35:
März 2009. - 18.36:
Februar 2009. - 18.37:
Januar 2009. - 18.38:
Dezember 2008. - 18.39:
November 2008. - 18.40:
Oktober 2008. - 18.41:
September 2008. - 18.42:
Juli/August 2008. - 18.43:
Juni 2008. - 18.44:
Mai 2008.- 18.44.1:
Angedacht. - 18.44.2:
Jugendarbeit. - 18.44.3:
Aus dem Sprengel. - 18.44.4:
Chor Erika. - 18.44.5:
Vikarin Schwabe. - 18.44.6:
Abschied von Vk. Schwabe. - 18.44.7:
Abschiedspredigt. - 18.44.8:
Kirchenchor. - 18.44.9:
Hans-Ludwig Köppen. - 18.44.10:
Posaunenchor. - 18.44.11:
Besuch bei Maike Potthast. - 18.44.12:
InKontakt. - 18.44.13:
Kindergarten. - 18.44.14:
Kinderkleiderbörse. - 18.44.15:
Silberne Konfirmation. - 18.44.16:
Volleyball und Hennen-Rennen. - 18.44.17:
Armbänder für Menschenrechte. - 18.44.18:
Kirche auf Rädern. - 18.44.19:
Chor-Projekt im Kirchenkreis. - 18.44.20:
Freud und Leid . - 18.44.21:
Termine . - 18.44.22:
Gottesdienste .
- 18.44.1:
- 18.45:
April 2008. - 18.46:
März 2008. - 18.47:
Februar 2008. - 18.48:
Januar 2008. - 18.49:
2007 (Jahrgang). - 18.50:
Dezember 2006. - 18.51:
November 2006.
- 18.1:
Es gibt immer einen Moment, der ist der letzte
Predigt von Gudrun Schwabe zum Sonntag Jubilate (13. April 2007)
Ich aber, Herr, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott. Meine Zeit steht in deinen Händen. Amen.
(Psalm 31, 15.16)
Es gibt immer einen Moment, der ist der letzte. Dinge gehen zu Ende, und dann kommt irgendwann der endgültig letzte Augenblick. Bei einem Umzug ist es der letzte Rundgang durch die alte Wohnung, die jetzt ohne Möbel ganz anders aussieht und wo die Stimme in den leeren Räumen hallt. Dann schließt man die Tür endgültig von außen ab. Oder man verabschiedet sich von einem lieben Menschen. Es wird geredet, gelacht oder geweint, Versprechen werden ausgetauscht, und man will sich nicht trennen. Aber irgendwann kommt die letzte Umarmung, und dann ist der andere weg.
Unser Leben ist voll von solchen Augenblicken. Etwas geht zu Ende, etwas Neues fängt an. Und das ist meist eine intensive Zeit. Auf der einen Seite hänge ich mit meinen Gedanken an dem, was jetzt zu Ende geht. Auf der anderen Seite freue ich mich auch auf das, was auf mich zukommt. Wenn ich mir mein Leben so ansehe, dann fallen mir eine ganze Menge solcher Momente ein.
Ich durfte im Laufe meines Vikariats an einigen solchen Momenten teilhaben. Denn etwas, was ich an meinem Beruf ganz besonders mag, ist das Zusammensein mit anderen Menschen. Besonders jemanden zum Geburtstag zu Hause zu besuchen ist eine tolle Erfahrung. Jemand öffnet mir sein Haus, ich lerne die Freunde und Bekannten kennen, und wir trinken Tee zusammen. Meist hängen Bilder an der Wand, die erzählen, von Hochzeiten, Kindern und Enkeln, von alten Häusern, und wie es früher so aussah in Flachsmeer. Und wenn ich Glück habe, dann bekomme ich Geschichten aus dem Leben erzählt.
Viele Menschen haben ihre Erlebnisse mit mir geteilt, und dafür bin ich sehr dankbar, weil alle diese Geschichten ein Schatz für mich sind. Denn wenn ich über alles das nachdenke, was Menschen mir aus ihrem Leben erzählt haben, dann bekomme ich einen Blick auf das Leben, wie es vielleicht wirklich ist. Alle Menschen, die ich hier in Flachsmeer getroffen habe, haben mein Leben um ein Stück reicher gemacht. Und in allen diesen Geschichten stecken genau diese endgültigen Momente. Der letzte Blick, die letzte Umarmung. Sie bleiben besonders im Gedächtnis, weil sie so intensiv sind. Weil wir uns genau zwischen gestern und morgen befinden. Und beides hat sein Recht. Wir verlieren uns selbst, wenn wir unsere Vergangenheit vergessen. Aber wir können auch nicht nur in der Vergangenheit leben, sondern brauchen eine Perspektive für morgen. Und manchmal habe ich den Eindruck, dass das genau die Kunst ist: Das richtige Verhältnis zwischen gestern und morgen zu finden.
Aber wie sollen wir damit umgehen? Wie finden wir einen Weg, mit all dem Weitergehen, Zurücklassen und neu Beginnen zu leben? Während der Vorbereitung auf meine Prüfungen habe ich einen Theologen für mich entdeckt, von dem ich Ihnen gerne erzählen möchte. Er heißt Henning Luther und war Professor für Praktische Theologie an der Universität Marburg. Ich versuche einmal, seine Gedanken kurz zusammen zu fassen.
Das menschliche Leben ist nie ganz vollständig, sondern es bleibt immer ein Bruchstück. Das Fragment ist das richtige Bild für das menschliche Leben und nicht ein perfektes Ganzes. Die Vergangenheit bleibt ein Bruchstück, es gibt Dinge, die unfertig bleiben oder für immer verloren sind. Die Trauer darüber kann Menschen ihr Leben lang begleiten. Die Zukunft ist auch nur bruch-stückhaft erkennbar. Keiner weiß genau, was morgen sein wird.
Und die Gegenwart, das Leben mit den Mitmenschen ist auch nie ganz perfekt. Auch im Miteinander gibt es Brüche und Lücken.
Und das Wunderbare an diesen Gedanken von Henning Luther ist sein liebevoller Blick auf das bruchstückhafte menschliche Leben. Entscheidend ist es, das menschliche Leben so anzunehmen, wie es ist. Gerade mit seinen Bruchstücken ist jeder Einzelne von uns wertvoll. Jeder ist von Gott angenommen und führt ein wertvolles Leben. Das ist der Weg, den Henning Luther mir gewiesen hat. Sich zu versöhnen mit den eigenen Bruchstücken.
Ein Stück weit habe ich das hier in Flachsmeer erlebt. Ich habe gute zwei Jahre hier in der Gemeinde gelebt, und Sie haben mich Teil haben lassen an Ihrem Leben. Ich habe bestimmt nicht alles richtig gemacht. Und manches ist unvollendet geblieben. Mir hängt es noch lange nach, wenn ich das Gefühl habe, in einer Sache nicht so gut gewesen zu sein. Ich gebe zu, dass ich manchmal gerne perfekt wäre. Und ich habe Schwierigkeiten damit, dass ich es nicht bin. Aber hier durfte ich erleben, dass die Welt nicht untergeht, wenn man nicht perfekt ist. Ich, mit meinem bruch-stückhaften Leben, bin wertvoll. Jeder von uns, mit seinen eigenen Bruchstücken, ist wertvoll. Es ist ein langer und auch ein schmerzhafter Weg, sich mit all dem zu versöhnen, was man eigentlich am liebsten ändern würde am eigenen Leben. Aber wenn uns das gelingt, können wir sehr viel gelassener mit vielem umgehen. Da wird die Gnade Gottes wirklich erfahrbar, spürbar. In der Versöhnung.
Der Ort, wo ich diese Versöhnung mit Gott und mit uns selbst schon jetzt wirklich erlebe, ist die Kirche. Hier in der Kirche, bei jedem Gottesdienst kommt unser Leben in all seinen Stücken zur Sprache. Jeder kommt mit seinen Gedanken, seinen Sorgen und seiner Freude. Jeder kann einen Moment finden im Gottesdienst, in dem sich seine Situation besonders wiederfindet. Und Gottes Wort ist an uns alle gerichtet.
Und so habe ich die Gottesdienste hier erlebt, dass das Leben in seiner ganzen Bandbreite spürbar ist. Und das wünsche ich mir für unsere christlichen Gottesdienste: Lebendigkeit. Dass hier Platz ist für unser Leben. Dass wir uns alle in unserem Leben von Gottes Wort ansprechen lassen. Und ich wünsche mir, dass wir als Christen manchmal den Mut finden, auch die Dinge zuzulassen, die im Leben nicht perfekt gelungen sind. Denn wir leben alle mit solchen Bruchstücken. Und wo sonst gibt es einen Raum, der geschützter wäre als im Angesicht des liebenden und heilenden Gottes?
Und so fügen sich die verschiedenen Teile einer Gemeinde zu einem großen Ganzen zusammen. Und über uns allen liegt Gottes Verheißung, aus unseren Bruchstücken irgendwann ein Ganzes zu machen. Er wird vollenden, was wir anfangen. Aber bis dahin leben wir unser Leben als Fragment. Nur wenn wir uns mit diesem Gedanken versöhnen, können wir uns selbst und unseren Nächsten annehmen.
Und so wird in den nächsten Wochen für mich der Augenblick kommen, an dem ich ein letztes Mal vorne in der Kirche stehen werde. Ein letztes Mal vor dem Altar stehen und das Kreuz ansehen. Dann werde ich mich umdrehen, den Gang entlang gehen, die Tür hinter mir zumachen und von außen abschließen.
Und ich werde traurig sein, weil nun etwas zu Ende ist und nicht wiederkommen wird. Aber ich bin dankbar, dass ich diesen Teil meines Lebens mit Ihnen teilen durfte und dass wir gemeinsam erlebt haben, wie Gottes Kraft und seine Nähe uns begleitet.
Denn Herr, wir hoffen auf dich und sprechen: Du bist unser Gott. Unsere Zeit steht in deinen Händen.
Amen.



