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22.5.2012 : 9:06 : +0200

Gemeindebrief

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Zu Besuch in Indien

Inderin beim Zubereiten von Fladenbrot

In den Herbstferien hatten meine Frau und ich die wunderbare Möglichkeit nach Indien zu reisen. Unsere Tochter Tomke verbringt dort ein Jahr als Austauschschülerin. Ihre Gastfamilie hatte uns zu einem Besuch des Landes eingeladen. Kurz entschlossen folgten wir dieser Einladung.

Für uns hielt diese Reise viele Entdeckungen  bereit.  Sie  war  in  mancher Hinsicht anstrengend, aber immer wieder überraschend und allemal der Mühen wert.
Natürlich in erster Linie, weil wir Tomke wieder sehen konnten, aber auch, weil wir ein erstaunliches Land mit äußerst liebenswerten und gastfreundlichen Menschen kennen lernen konnten.

Dabei ist uns vor allem die tiefe Religiosität der Inder aufgefallen. Wir merkten bald, dass sie hinsichtlich des Glaubens anderer Menschen sehr tolerant sind. Wicht ist für sie vor allem, dass Menschen überhaupt an etwas glauben. So war es für unsere Gastgeber auch kein Problem, dass wir zu Beginn der gemeinsamen Mahlzeiten ein Tischgebet sprechen wollten oder darum baten, ein Tischlied singen zu können. Interessiert sahen und hörten sie uns dabei zu und fragten nach dem Sinn dieser für sie fremden religiösen Übung. Bereitwillig erklärten wir es. Ich meinte, dabei ein leichtes, anerkennendes Staunen in ihren Gesichtern zu erkennen.

Ein paar Tage später kam das Gespräch noch einmal das Thema. Da sagte die Frau des Hauses: "Das ist schon interessant. Ihr betet vor dem Essen, ich bete während ich das Essen zubereite. Eigentlich kann ich gar nicht kochen, ohne dabei zu beten." Nun war es an uns zu staunen.

Für mich war dies eine Sache, die ich in Indien gelernt habe. Es ist nicht nur wichtig, Gott für das Ergebnis einer Arbeit zu danken, sondern ebenso gut ist es, das Werden und Entstehen einer Sache schon im Gebet zu begleiten. Ich glaube, darauf liegt ein großer Segen. „Betet ohne Unterlass“* heißt es im Neuen Testament. Diese Worte haben für mich nach unserer Reise noch einmal einen neuen Sinn erhalten.

Mit einem herzlichen Gruß in jedes Haus
Andreas Hannemann

* 1.Thessalonicher 5,17