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23.5.2012 : 4:02 : +0200

Gemeindebrief

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Der Felsendom zum Greifen nah

Am Toten Meer - Gudrun Schwabe
Zu Besuch im tiefsten Schnellrestaurant der Welt
Jerusalem - Blick vom Turm der Erlöserkirche

Gudrun Schwabe berichtet aus Jerusalem

Drei Monate lebe ich jetzt hier im Herzen der Jerusalemer Altstadt. Ganz kann ich mich immer noch nicht daran gewöhnen, dass der Felsendom zum Greifen nahe vor mir liegt, wenn ich aus meinem Fenster sehe und ich nur ein paar Schritte zur Grabeskirche gehen muss. Menschen aus aller Welt sind tief davon bewegt, einmal in ihrem Leben an den Heiligen Stätten stehen zu dürfen. Und ich gehe nach Feierabend eben noch mal hinunter zur Klagemauer, um die frische Abendbrise zu genießen. Zwischen all den Touristen, die sich tagtäglich durch die Gassen der Altstadt schieben, komme ich mir schon fast einheimisch vor. Dabei hat das Leben in dieser Stadt auch Facetten, die mich immer wieder spüren lassen, dass auch ich eine Fremde bin.

Hier in Jerusalem lebe ich in zwei völlig verschiedenen Welten: Die Altstadt, in deren Zentrum unsere Kirche und die angrenzende Propstei liegen, gehört zum arabischen Ostjerusalem. In den überdachten Straßen der Basare kann man exotische Gewürze, Stoffe, Gemüse und Fleisch, Haushaltswaren und natürlich Souvenirs kaufen. Der Duft von Kardamom aus den Kaffeemühlen liegt in der Luft, die Händler preisen ihre Waren auf arabisch an und verhandeln kräftig über die Preise. Dazwischen sitzen die Beduinenfrauen auf dem Boden und bieten Salbei und Minze in Bündeln an.

Verlasse ich die Altstadt durch das Jaffa-Tor, stehe ich unvermittelt in Westjerusalem. Ein paar Schritte, und ich bewege mich in einer ganz anderen Welt. Eine Einkaufsmeile, die ohne Probleme so in Bremen oder Hamburg stehen könnte, stellt die architektonische Verbindung zur modernen Innenstadt von Westjerusalem her. Große Handelsketten bieten Kleidung, Schuhe und Luxuswaren in klimatisierten Shops an, das Publikum ist jung und flippig angezogen. Bevor man einen der Läden betritt, muss man durch die Taschenkontrolle, und auf der Rechnung der Restaurants taucht ein Extrabetrag auf, mit dem der bewaffnete Wachmann vor der Tür finanziert wird.

In Deutschland war vieles selbstverständlich, hier muss ich überlegen, bevor ich das Haus verlasse: Wohin gehe ich, wie muss ich mich anziehen? Im arabischen Umfeld gelten ganz andere Regeln als im Westteil der Stadt. Nehme ich meinen Pass mit, weil ich im Laufe des Tages über einen Check-point muss? In welcher Sprache verständige ich mich? Manchmal sehne ich mich nach dem Gefühl zurück, mich auf sicherem Boden zu bewegen und alle ungeschriebenen Gesetze zu kennen. Aber wo sonst bekommt man schon einmal Gelegenheit, sich so ungezwungen in zwei Welten bewegen zu können? Und auf beiden Seiten begegnen mir immer wieder Menschen, die mich freundlich willkommen heißen in diesem großartigen Land.

Herzliche Grüße aus Jerusalem,
Ihre Gudrun Schwabe