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6.2.2012 : 12:18 : +0100

Begegnung und Dialog

Stefan Schwarzenberg

 

“Seid stets bereit,
jedem Rede und Antwort zu stehen,
der nach der Hoffnung fragt,
die euch erfüllt.”
                             1.Petrus 3, 15


Sitzen zwei Pastoren morgens miteinander am Frühstückstisch. Der eine ist zu Besuch beim anderen. Sagt der Gastgeber: „Ich muss jetzt dringend am Gemeindebrief arbeiten …!“

Fragt der Gast: „Soll ich vielleicht einen Beitrag für euren Gemeindebrief schreiben?“

Sie, liebe Gemeinde in Flachsmeer, ahnen vielleicht, was der Gastgeber seinem Gast auf diese Frage geantwortet hat …? Na, zugegeben, ich bin nicht immer so spontan! Aber nun sitze ich hier am Arbeitsplatz Ihres Pastors und denke mit Ihnen zusammen darüber nach, wozu uns der Monatsspruch für April ermutigen möchte: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.“

Da, wo ich herkomme, gehören noch etwa 30 % der Bevölkerung unserer Evangelisch-lutherischen Kirche an. Das bedeutet, wir begegnen jeden Tag Menschen in unserem Ort, die schon in der zweiten oder gar in der dritten Generation ohne Kirche und ohne Glauben leben. Sie sind also nicht aus der Kirche ausgetreten, sondern sie waren noch nie in der Kirche. Da ergeben sich manchmal interessante Gespräche. Du wirst vielleicht auch mal unvermittelt gefragt: “Sag mal, was bedeutet dir eigentlich dein Glaube?“ Oder: „Warum gehst du eigentlich zur Kirche?“  Und was antworten wir dann? Kommen bei diesen direkten Fragen nicht sogar wir Pastoren gelegentlich ins Grübeln oder ins Stottern?

Aber selbst wenn uns das peinlich sein sollte, - eins macht der Monatsspruch aus dem 1. Petrusbrief Kapitel 3, Vers 15 deutlich: Wir dürfen hier nicht kneifen! Warum auch? Wenn wir selbst erfahren und spüren, wie uns der Glaube an Jesus Christus und die damit geschenkte Hoffnung trägt, dann ist doch mehr als natürlich und normal, dass wir das auch weiterempfehlen können… Oder?

Sie haben in Ihrem schönen Ort Flachsmeer, den ich für drei Tage zusammen mit meiner Familie wieder einmal besuche, andere kirchliche Verhältnisse als wir bei uns in Sachsen. Die meisten Einwohner gehören einer Kirche an. Aber dennoch sind Begegnungen mit Menschen auch bei Ihnen an der Tagesordnung, die sich von den Christen in Flachsmeer Rede und Antwort wünschen: „Was trägt dich in schweren Zeiten? „Warum betest du?“

Sicherlich sind solche direkten Fragen unserer Mitmenschen eher selten. Aber merken wir nicht, dass viele auf der Suche nach einem Sinn im Leben sind? Wo wir das spüren, brauchen wir ebenso viel Fingerspitzengefühl wie Mut für den Dialog mit Menschen, die uns nach unserer Hoffnung fragen. Das wünsche ich Ihnen allen hier in der Kirchengemeinde Flachsmeer und den Mitchristen bei mir zu Hause.

Stefan Schwarzenberg, Pastor in Großröhrsdorf bei Dresden