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23.5.2012 : 5:08 : +0200

Neue Kraft bekommen

Aber alle, die ihre Hoffnung auf den Herrn setzen, bekommen neue Kraft. Sie sind wie Adler, denen mächtige Schwingen wachsen. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und sind nicht erschöpft. Jes 40, 31

Piep, Piep: Handy schon wieder bald leer, wo ist die Steckdose. Klingeling: "Ja, hallo, Thorsten Rademacher, wer da, ... ach ja ... ja könnte klappen ... ich trag’s mir im Kalender ein, ... ja ... ich weiß aber noch nicht, ob ich den anderen Termin verlegen kann ... ok, dann auf Wiedersehen". Von unten ruft meine liebe Frau: "Kommst du gleich, wir müssen los!" - "Ja, ich beeil mich... - oh Mann, warum streikt der Drucker ausgerechnet immer dann, wenn ich's eilig habe."

Puh! Manchmal wünsche ich mir, auch einfach sagen zu können: „Akku leer - ran an die Steckdose!“, wenn mir die Dinge über den Kopf wachsen, wenn ich mich so fühle, als ob mich jemand beim Laufen von hinten festhält, die Arme, Beine und Augen ganz schwer werden.

Dann lese ich den Monatsspruch. Wow! Das Bild von einem Adler, der stolz dahinzieht, kraftvoll gleitend. Ein Bild der Ruhe und Kraft. So soll es denen gehen, die ihre Hoffnung auf den Herrn setzen. Komisch, mir geht's gerade nicht so, oder doch?

Letztes Jahr war ich auf dem Jakobsweg pilgern. Ca. 310 km in zehn Tagen. Ich hätte nie gedacht, dass ich das schaffe. Ich bin eigentlich ziemlich unsportlich. Es gab Momente, da konnte ich einfach nicht mehr vor Schmerzen, Erschöpfung oder Frust, weil die anderen viel schneller waren als ich. Wenn ich dann ein Stoßgebet hoch schickte, passierte erst mal nichts. Ich hielt Gott meine Erschöpfung vor. Meckerte richtig mit Ihm. Dann, mit der Zeit, im Gebet vor Gott, merkte ich, wie mein Akku wieder aufgeladen wurde. Meine Muskeln konnten zwar immer noch nicht so gut, die Schmerzen waren immer noch da, doch dadurch, dass ich meine Aufmerksamkeit auf Gott richtete, auf seine unglaubliche Liebe, wurde mein eigentlicher Tank aufgefüllt. Ich hatte Frieden in mir und spürte Kraft. Ich glaube, das ist gemeint mit Laufen und Nicht-erschöpft-sein.

Das geht auch im Alltag. Im Bibeltext steht bei Luther 'harren'. Das meint: Die Aufmerksamkeit und den Blick auf Gott zu richten, auf Ihn zu hoffen. Gott schenkt uns durch seine Liebe diese Kraft, die sich nicht erschöpft, auch in den dunkelsten Tagen nicht. Gerade zu Weihnachten sehen wir die unglaubliche Liebe Gottes. Und wir dürfen sogar auf etwas Reales sehen. Auf seinen Sohn, der in der Krippe liegt. Das Hoffen und Auf-Ihn-harren lohnt sich.

Mit einem Gruß in jedes Haus

Thorsten Rademacher