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23.5.2012 : 5:08 : +0200

Gerechtigkeit mit ausgebreiteten Armen

Iustitia, die personifizierte Gerechtigkeit, steht als Statue vor vielen Gerichtsgebäuden. Mit einer Binde sind ihre Augen verbunden, in der linken Hand hält sie eine Waage, in der rechten ein Schwert. Ihre Augen sind verbunden, damit sie die beteiligten Personen nicht sieht. Gerechtigkeit soll unabhängig davon sein, wer sie einfordert. Die Waage ist das Zeichen dafür, dass die Sachlage gründlich abgewogen wird, bevor ein Urteil fällt. Und das Schwert steht für den Willen, das Urteil mit der nötigen Härte durchzusetzen.

Die Absicht, allen Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen, ist auf jeden Fall da. Aber erfahren wirklich alle Menschen Gerechtigkeit in ihren Prozessen? Fehler können sich überall einschleichen, und so ist auch menschliche Gerechtigkeit nicht perfekt. Unwissen, Unachtsamkeit, Lügen und Korruption sind nur einige Gründe dafür, dass wahre Gerechtigkeit manchmal nicht so leicht hergestellt werden kann. Und wie viele Menschen finden wirklich ihren Frieden in dem Gerichtsgebäude, nachdem ihre Angelegenheiten verhandelt worden sind?

Vor Gott gilt eine andere Gerechtigkeit, eine, die nicht durch Taten machbar und durch Urteile herstellbar ist. In Gottes Augen zählt allein der Glaube. Wer sich zu Jesus Christus bekennt, den sieht Gott als gerecht an. Gott hat keine Augenbinde, sondern er sieht jeden Menschen an. Mehr noch, er sieht in das Herz jedes Menschen, und er hat einen liebevollen Blick. Vor Gott ist jeder Mensch wichtig.

Gott hat auch keine Waage, auf der er die Taten der Menschen aufwiegt. Gott liebt die Menschen, selbst wenn ihre Taten nicht immer richtig, nicht in Ordnung sind. Gott hat auch kein Schwert, um die zu richten, die Fehler gemacht haben.

Gott hält überhaupt nichts in seinen Händen, sondern er streckt seine ausgebreiteten Arme den Menschen entgegen. Und in diesen Armen kann jeder Mensch den wahren Frieden finden.

Gudrun Schwabe